Ich hatte nicht vor, ein Social-Media-Tool zu bauen. Ich wollte nur mehr OCaml-Memes posten.
Die Ausgangslage
Als Developer Advocate für die Programmiersprache OCaml startete und betreute ich die Social-Media-Präsenz der Sprache auf vier Plattformen: X, LinkedIn, Bluesky und Mastodon. Wir hatten gute Content-Quellen - einen Community-RSS-Aggregator, den OCaml Planet mit Blogposts von Unternehmen und Entwicklern, Release Notes im OCaml Changelog, Hintergrund- und experimentelle Updates auf Backstage OCaml, sowie das Diskussionsforum discuss.ocaml.org.
Für die RSS-Feeds von OCaml.org richtete ich das Automatisierungs-Tool dlvr.it ein, um die Artikel aus den Feeds automatisch auf alle vier Accounts zu posten.
Es funktionierte. Die OCaml-Community ist klein, aber engagiert. Die OCaml-Social-Media-Accounts wuchsen langsam, aber stetig und das fast ohne manuellen Aufwand - im Dezember 2025 standen sie bei etwa 2.000 Followern auf X, 1.600 auf LinkedIn, 1.200 auf Bluesky, ein paar Hundert auf Mastodon. Für automatisierte Link-Posts einer (noch) nicht überall bekannten Programmiersprache ist das ein ordentliches Wachstum.
Es geht besser als nur Links posten
Aber ich wusste auch, dass wir das noch viel besser handhaben könnten.
Automatisierte Link-Posts sind in Ordnung. Sie bringen den Content raus. Aber Posts mit eigenem Kommentar - eine Zusammenfassung, ein Zitat, ein Grund warum das wichtig ist - sind um einiges interessanter. Eigene Posts signalisieren, dass da jemand sitzt, der hören will, was die Community dazu zu sagen hat.
Ich nahm mir vor, es besser zu machen. Ich würde die Posts lesen, durchdachte Zusammenfassungen schreiben, plattformspezifischen Content erstellen.
Habe ich leider nie gemacht, weil immer etwas anderes gerade akut und wirklich wichtiger war (z.B. Newsletter schreiben, Kommentare beantworten, die Webseite verbessern).
Der mentale Aufwand war zu hoch. Den Artikel lesen. Ihn gut genug verstehen, um ihn zusammenzufassen. Etwas in meinen eigenen Worten schreiben. Es für den Stil und die Zeichenlimits jeder Plattform anpassen. Das für jeden Post machen, mehrmals pro Woche.
Es fühlte sich jedes Mal an, als würde ich bei Null anfangen. Und ich habe sowieso schon Schwierigkeiten, mir Gewohnheiten aufzubauen und die dann beizubehalten.
OCaml-Memes für die Welt
Fun Fact: Ich mache gerne OCaml-Memes. Ich bin vermutlich die Person auf diesem Planeten, die mehr OCaml-Memes erstellt und gepostet hat als jeder andere. Ich weiß nicht, ob man darauf stolz sein sollte, aber es ist eben so. Wenn ich etwas anfange, dann mache ich es gründlich.
Bei mir ist es so: Wenn ich Memes erstelle und in der Stimmung bin, habe ich Ideen für 3-5 Memes pro Tag, ein paar Tage lang. Die postete ich dann alle auf einmal, auf meinem persönlichen Twitter-Account, dann auch auf Bluesky und schließlich auf LinkedIn - im Grunde habe ich meine Follower damit zugespammt. Bluesky erwartet Alt-Texte, also habe ich angefangen, Alt-Texte mit Claude zu erstellen. Die habe ich dann natürlich auch auf X und LinkedIn verwendet. Dann kam wochenlang oder monatelang nichts, und ich war mir unsicher, ob das nicht jetzt zu viel war oder zu weit ging.
Das tatsächliche Posten von Memes auf drei verschiedene Plattformen, mit ordentlichem Alt-Text für Barrierefreiheit, war lästig, aber solange ich motiviert war, machbar.
Wie es zu FeedMansion kam
Als ich die Gelegenheit sah, etwas Eigenes aufzubauen, ergriff ich sie.
Ich wusste, welchen Workflow ich wollte:
- RSS-Feeds automatisch überwachen
- Entwürfe mit Zusammenfassungen und Kommentaren generieren
- Mich reviewen und editieren lassen, bevor etwas rausgeht
- Auf mehrere Plattformen gleichzeitig posten
- Posts planen, damit ich meine Meme-Erstellung bündeln kann, ohne alle Feeds zu fluten
Also baute ich es. FeedMansion.
Was sich geändert hat
Ich habe die offiziellen OCaml-Accounts noch nicht auf FeedMansion umgestellt, aber ich benutze FeedMansion schon, um selbst ausgewählte Beiträge aus den OCaml-RSS-Feeds zu verbreiten, wenn mir der Entwurf, den die KI geschrieben hat, gefällt. Ich bin mir noch nicht sicher, welche Prompts hier gute Ergebnisse liefern, aber das Tolle an meinem Tool ist, dass ich die Prompts immer weiter anpassen kann, bis bei fast jeder Runde Entwürfe ein Treffer dabei ist.
Im Gegensatz zu den reinen Link/Artikel-Posts der automatisierten OCaml-Seite bekommen meine LinkedIn-Posts mehr Kommentare und Engagement, auf die ich dann wieder antworten kann. Neben LinkedIn, X und Bluesky poste ich jetzt automatisch auch auf Mastodon (mein Mastodon-Account existiert zwar schon lange, aber mangels Followern und Engagement habe ich es nie geschafft, dort auch noch zu posten).
Jetzt lade ich einen Stapel OCaml-Memes in FeedMansion hoch. Die KI generiert Alt-Text-Beschreibungen für jedes - ganz brauchbare im Regelfall, und wenn nicht, bearbeite ich sie. Ich plane die Memes dann über die nächsten Wochen verteilt ein. Ein Klick: X, LinkedIn, Bluesky und Mastodon gleichzeitig erledigt.
Beobachtung: Die Leute merken es, wenn man Alt-Texte bei Memes verwendet. Ich habe schon ein paarmal positive Kommentare dazu bekommen. Die meisten Meme-Accounts machen sich nicht die Mühe. Und als Bonus: Ordentlicher Alt-Text hilft Bildern, in der Suche zu ranken.
Ich poste jetzt mehr, ohne dass es sich wie eine Last anfühlt. Ich bin von Natur aus immer noch nicht konsistent - vielleicht werde ich es nie sein. Aber ich mache es besser als früher. Allein das Scheduling löste die Hälfte des Problems. Wenn ich 3-5 Memes in einem Schub erstelle, kann ich sie über Wochen verteilen, statt sie alle auf einmal zu posten oder sie verstauben zu lassen.
Philosophische Frage: Ist der Einsatz von KI in Social Media noch authentisch?
Als ich verstanden habe, was heute mit KI, und insbesondere mit FeedMansion möglich ist, habe ich angefangen, über die Rolle von KI in Social Media nachzudenken.
Ich glaube, dass KI Menschen helfen kann, sich auszudrücken, besonders denen, die mit dem Finden der richtigen Worte kämpfen. Schreibblockade ist real. Einen Entwurf zu haben ist immer einfacher als bei Null anzufangen. Selbst wenn der Entwurf Mist ist - denn dann merkt man plötzlich, was man eigentlich sagen will.
Aber ich denke auch, dass es verlockend - und falsch - ist zu glauben, man könnte Selbstausdruck und Personal Branding vollständig an KI delegieren. Wenn es nicht meine Stimme ist, was soll das Ganze dann?
Und was ist mit Kommentaren? Ich sehe immer mehr Social-Media-Bots, die völlig unangemessene und offensichtlich KI-generierte Kommentare hinterlassen. In dem Fall steht man vor dem Dilemma: Die Algorithmen der Plattform belohnen es im Regelfall, auf Kommentare zu antworten. Aber jeder menschliche Nutzer, der das sieht, wird seine Schlüsse ziehen und muss diesen Content-Durchfall in seinem Feed ertragen, nur weil ich kommentiert habe. Also vermeide ich es, bei offensichtlich KI-generierten Kommentaren zu antworten.
FeedMansion ist ein Ghostwriter, kein Autopilot. Nichts wird ohne deine Freigabe gepostet. Du liest jeden Entwurf. Du bearbeitest, überspringst oder gibst zur Veröffentlichung frei. Die KI hilft dir, das leere Blatt zu überwinden. Die Stimme ist immer noch deine.
Für Firmen-Accounts sehe ich, was KI-Nutzung im Bereich Social-Media-Content-Erstellung angeht, keine Bedenken. Viele Unternehmen haben bereits Social-Media-Teams, die im Namen der Marke sprechen. Im Gegensatz dazu: Für persönliche Accounts, wo man echte Beziehungen aufbauen will - da ist KI-Automatisierung einfach problematisch.
Was als Nächstes kommt
FeedMansion löst mein Posting-Problem. Aber es gibt noch eine zweite Seite von Social Media: die Konsumseite.
Ich verbringe immer noch zu viel Zeit mit Doomscrolling. Ich verpasse Posts von Leuten, die mich wirklich interessieren. Ich entdecke interessante Gespräche zu spät, um mich einzubringen.
Deshalb baue ich Nitfish - einen semantischen, KI-gestützten Filter für Social Media. Nitfish findet Posts, mit denen es sich lohnt zu interagieren. Es überwacht soziale Netzwerke und Foren. Mit KI-Unterstützung findet es, was wirklich für dich relevant ist. Das Gegenteil von Brand Monitoring: nicht „was sagen die Leute über mich?" sondern „womit sollte ich mich beschäftigen?"
Die Idee: Content kommt zu mir. Nitfish findet ihn, FeedMansion hilft mir zu antworten. Weniger Scrollen, mehr Interagieren.
Zur Entwicklung beider Tools verwende ich OCaml - eine Programmiersprache, die ich kenne und der ich vertraue, und die sich tatsächlich sehr gut eignet, um wartbaren, korrekten Code zu schreiben, der sich trotzdem noch leicht an neue Anforderungen anpassen lässt.
Ich bin mir noch nicht sicher, wer genau der ideale Nutzer für FeedMansion ist, oder ob es nur einer ist. Vielleicht sind es DevRel-Leute wie ich, Solo-Gründer, Content Creator, die auch viel zu viel Zeit verbringen, ihre Inhalte auf verschiedene Plattformen zu bringen.
Wenn du denkst, FeedMansion oder Nitfish könnten dir helfen, dann sprich mich an.
FeedMansion beginnt im Januar mit der Beta. Nitfish steht am Anfang der Entwicklung.
